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Archäobiologie

Archäobiologie befasst sich mit der Untersuchung biologischer Reste von archäologischen Ausgrabungen bzw. natürlichen Sedimenten, welche den Human Impact zum Thema haben. Dabei befasst sich die Archäobotanik mit pflanzlichen Resten, die Archäozoologie mit Resten von Tieren (meist Knochen).
Ziel ist es, Rückschlüsse auf Umwelt und Lebensumstände des Menschen in prähistorischen und historischen Zeiträumen (bei letzteren: in Ergänzung zu Quellen) zu ziehen. Auch kulturhistorische Fragestellungen spielen eine grosse Rolle. Zu folgenden Themen sind Aussagen möglich (die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Aussehen der Umwelt des Menschen (hier bestehen enge Bezüge zur Paläoökologie)
  • Grad der Beeinflussung der Umwelt durch anthropogene Aktivitäten (z.B. Holzverbrauch -> Entwaldung)
  • Kulturpflanzen und Haustiere: welche? Stand ihrer Züchtung? Naturräumliche, regionale, kulturelle Unterschiede in einem Zeitraum? In welcher Epoche welche Arten wichtig?
  • Interpretation von Befunden (z.B. wo Entsorgungseinrichtungen? Wo welches Handwerk?)
  • Ackerbau: Anbautechniken, Verunkrautung, Düngung usw.
  • Viehzucht: Grössenentwicklung der Haustiere, ihre Nutzung, Viehfutter
  • Handel: Importe, z.B. Datteln, Oliven oder Mittelmeermakrele in der Römerzeit
  • Zusammensetzung der Nahrung, Techniken des Kochens
  • Nutzung von Pflanzen und Tieren in der Medizin
  • Nachweis sozialer Unterschiede, z.B. in städtischen Agglomerationen
  • Verhältnis Einheimische -Eroberer?
  • Grabriten: Rekonstruktion durch Analyse von Speisebeigaben

Die wichtigsten archäobiologischen Reste sind: Knochen von grösseren Säugetieren, Knochen von kleinen Tieren (z.B. Amphibien, Reptilien, Fische), Schuppen von Fischen, botanische Makroreste (alles >0,1 mm: Samen, Früchte, Holz, Stengel, Blätter, Knollen, Zwiebeln usw. usf.) sowie botanische und zoologische Mikroreste (alles <0,1mm, z.B. Pollen, Sporen, Parasiteneier usw.).
Biologische Reste, die auf einer Ausgrabung zutage gefördert werden, sind genauso archäologische Funde wie die "traditionellen" Fundkategorien Keramik, Stein, Metall usw. Ihre Verteilung in den Befunden unterliegt den gleichen Gesetzmässigkeiten. Sie gelangten fast ausnahmslos durch anthropogene Aktivitäten wie Ernte, Schlachten, Jagen, Sammeln, Kochen oder Handel in die Schichten. Diesen Tatsachen ist bei der Beprobung Rechnung zu tragen, indem die Entnahme einer Probe oder eines Profils an einer einzelnen Stelle nicht ausreicht, um eine anthropogene Ablagerung in all ihren Facetten zu erfassen. Im Gegensatz dazu gelangten z.B. Pollen, die anthropogene Aktivitäten anzeigen, durch natürliche Ablagerung (Wind!) in Schichten eines sonst von menschlichen Aktivitäten nicht direkt beeinflussten Sees oder Moores. Hier reicht meist ein Bohrkern aus, um "human impact" nachzuweisen. Dabei ist jedoch auf eine enge und lückenlose Beprobung des interessierenden Zeitraumes zu achten und Reste aus möglichst vielen Horizonten sollten Radiokarbon-datiert werden.

weiterführende Literatur:

  • Archäobiologie. Sonderheft von Archäologie der Schweiz, 22 (1999), Heft 1, mit Faltblatt zur Probenahme.
  • E. Schmid Atlas of animal bones. Knochenatlas, Amsterdam/London/New York, 1972. (offiziell vergriffen, Fotokopie in guter Qualität für Fr. 35.-- erhältlich im IPNA, Archäozoologie, Spalenring 145, CH-4055 Basel)
  • S. Jacomet / A. Kreuz (1999) Archäobotanik. Eine Einführung in Aufgaben und Methoden vegetations- und agrargeschichtlicher Forschung. UTB, Ulmer Verlag, Stuttgart.

 

Archäobotanik

Prof. Stefanie Jacomet, stefanie.jacomet(at)unibas(dot)ch

Dr. Christiane Jacquat, jacquat(at)geobot.umnw.ethz(dot)ch

Dr. Olivier Mermod, mermod(at)mac(dot)com

Labor für Quartäre Hölzer, holz.schoch(at)pop.agri(dot)ch

 

Archäozoologie

Prof. Dr. Jörg Schibler, joerg.schibler(at)unibas(dot)ch

Dr. Jacqueline Studer, jacqueline.studer(at)mhn.ville-ge(dot)ch

Dr. Marc Nussbaumer, marc.nussbaumer(at)nmbe.unibe(dot)ch

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Schaedel

 

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